11/05 - 04/06

Atlantik - Teil 2

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Das "Auf-den-Weg-machen" hat dann aber doch noch ein Weilchen gedauert... (Un-) Glücklicherweise bleibt die Fähre, die Barbara, Piet und Neill nach Lanzarote zum Flieger bringen soll, am Tag nach dem Sturm im Hafen. Flieger futsch - Ersatztermin eine Woche später. Da sind wir halt auch noch ein wenig geblieben. Bis zum Nikolaustag, um genau zu sein, und diese Zeit haben wir mit Ausflügen an den Strand, rund um die Insel, zum Bäcker, zum Supermarkt usw. sehr nett verbracht. Trotzdem mussten wir dann leider von den Dreien Abschied nehmen: Sie flogen nachhause ins kalte Bochum, wir wollten die Westküste Lanzarotes zur Marina Rubicon hinuntersegeln. Wie üblich war statt Segeln dann aber wieder Motorbootfahren angesagt.

Moritz und Neill 1 021205.JPG

Traumstand auf La Graciosa 031205.JPG

Barbara, Pete und Neill 051205.jpg

Moritz und Neill auffe Schicht

Traumstrand auf La Graciosa

Piet und Neill und Barbara

Dafür entschädigte uns die relativ neue Marina Rubicon für die Entbehrungen - was Wasser, Strom, Duschen und so betrifft: Alles ist sehr schick gemacht und die Anlage passt sich auch ganz gut in das Landschaftsbild ein. Leider hat es aber dennoch ein wenig Retorten- Charakter. Außerdem ist der Süden Lanzarotes auch dessen Touristenhochburg - hier bekamen wir vor allem aus deutschen und britischen Gefilden allerhand Beachtenswertes zu sehen, was einem sonst in der Regel als Segler erspart bleibt ;-) Trotzdem waren irgendwie schon wieder sechs Tage vergangen, als wir die Entscheidung gegen Fuerteventura und für Gran Canaria trafen - schließlich kündigte sich zu Weihnachten ja Besuch an und wir wollten rechtzeitig da sein.

Vorweihnachtscrew 2 101205.JPG

Moritz im Piratenschiff 101205.JPG

Palmen und Masten 101205.JPG

Vorweihnachtsstimmung

Moritz auf dem Piratenspielplatz

Marina Rubicon

Waren wir auch - nach einer ebenso schönen wie anstrengenden Segelnacht. Zu zweit nachts unterwegs zu sein, ist schon reichlich anstrengend: Alle zwei Stunden muss man raus und in der Freiwache kommt man - da die Wellen wieder mal von schräg hinten kamen - kaum zum schlafen. Mit dementsprechend kleinen Äuglein waren wir am 12.12. pünktlich zu Sonnenaufgang in Las Palmas. Spaniens siebtgrößte Stadt hat uns, nach all der Beschaulichkeit der Wochen zuvor, erst einmal erschlagen: Der Yachthafen liegt zwar verkehrsgünstig an einer vier- (oder sechs-?) spurigen Autobahn und Supermarkt & Co. sind reich sortiert und gut zu erreichen (wenn man unter 'gut' versteht, dass man in einem Fußmarsch unter einer halben Stunde hinkommen kann), aber schön isses nich wirklich. Dementsprechend trippelten wir schon nervös rum als - nach einer Woche, die wir mit Einkäufen und Erledigungen verbracht hatten - endlich Christianes Eltern Jens und Gisela auf der Matte bzw. an Deck standen. Wir wollten weiter in den verheißungsvollen Süden Gran Canarias! Also: Früh aufstehen, raus aus dem Hafen und ... richtig: Kein Wind. Aber auch gar keiner. Motorschiff Marie Brizard ist wieder unterwegs. Und das auch noch mit erwartungsfrohen Gästen. Peinlich. Irgendwie macht man sich ja auch unglaubwürdig... Egal: Wie gehabt Großsegel hoch, damit's sportlicher aussieht und Brummel an.
Nachmittags laufen wir in Puerto Rico ein. Das ist, gelinde gesagt, zum Davonlaufen, und zwar schnell: Eine einzige, riesige Bettenburg mit großen Sonnenstuhlfeldern davor. GRAUSAM! Zu allem Überfluss gesellen sich hierzu auch noch sintflutartige Regenfälle, die kein Mitleid mit uns haben und uns auch den folgenden Tag noch dort festhalten. Am darauffolgenden Morgen machen wir uns (ist es erforderlich zu erwähnen, dass wir mit Maschine liefen?) auf den Weg nach Puerto Mogan - dem angeblich schönsten Hafen der Insel. Ist wirklich schön da, auf jeden Fall der Teil, den wir gesehen haben. An der Hafeneinfahrt werden wir bereits abgewimmelt: Vor Mitte Januar gibt es keine freien Plätze mehr. Na wummbaba! Frustriert drehen wir ab und rufen in Pasito Blanco an - einem Hafen, der sowohl im Handbuch als auch im Reiseführer als elitär beschrieben wird und nicht besonders gut wegkommt. Völlig zu Unrecht: Man wird sehr freundlich begrüßt, die Liegegebühren sind mit 12.- pro Nacht für unser Schiff wirklich nicht übermäßig hoch und für 20.- kann man eine Woche W-LAN nutzen. Machen wir auch glatt. Die Versorgungsmöglichkeiten sind zwar bescheiden, aber mit Bussen kann man in die Touristenzentren Maspalomas (zu deutsch: "Viele Tauben", stimmt aber nicht mehr - was heißt eigentlich "Viele Touristenwampen" auf spanisch?) und Playa Inglés fahren. Hier werden wir wahrscheinlich noch ein paar Tage bleiben - denn im Januar erwarten wir den nächsten Besuch... Außerdem muss natürlich die Insel erkundet und Oma Gisela und Opa Jens müssen auch beschäftigt werden!

Gisela und Moritz am Strand 221205.JPG

Jens und Moritz in den Duenen 241205.JPG

Moritz erste Bergwanderung 2 231205.JPG

Jens und Gisela auf dem Raucherdeck 211205.JPG

Mit Gisela über den Strand hetzen

Mit Jens die Dünen hochjagen

Mit Vattern durch die Berge kraxeln

Jens und Gisela auf dem Raucherdeck

Aber jetzt wird erst einmal Weihnachten gefeiert. Wenn es bei den äußeren Bedingungen (Sonne, 22°C) auch noch so schwer fällt. Schließlich sind wir Eltern eines Kleinkindes. Da hat man dann gewisse Verpflichtungen. Da müssen wir durch. Und das machen wir auch ganz gerne. In Ermangelung einer Nordmanntanne haben wir uns in den allgegenwärtigen Kruschkramläden mit Glitzergirlanden eingedeckt und Maries Innenraum verschönert. Jens' Vorschlag, den Mast zu entfernen und durch einen Weihnachtsbaum zu ersetzen, mussten wir aus oben genanntem Mangel leider verwerfen. Wie die weihnachtliche Marie Brizard aussieht, kann man hier bewundern...

Weihnachtsfamilienfoto 2 241205.JPG

Wo ist das Christkind 241205.JPG

Mortiz packt aus 1 241205.JPG

Kleiner Tiger und grosser Tiger 241205.JPG

Weihnachtsfoto

Wo ist das Christkind???

Auspacken...

Großer Tiger + kleiner Tiger

31.12. 1930 Ortszeit. Während zuhause schon der Alkoholspiegel steigt, Fondue und Raclette schon bruzzeln, befindet sich die Crew der Marie noch in den Vorbereitungen für die Silvester-Party, die gar keine ist. Wir feiern hier nämlich in aller Stille: Im Hafen ist nix los und wir hoffen, dass wir es überhaupt bis 2400 schaffen. Wahrscheinlich muss Christiane vorher nochmal im Scrabble verlieren ;-) Und was gibt es leckeres?

Crevetten 311205.JPG

Languste 311205.JPG

Wein 311205.JPG

Nehmt dies...

...und dies...

...und dies...

Was uns wirklich fehlt ist "Dinner for one" - auch aufwändigste Internetrecherchen haben leider nicht zu einer herunterladbaren Version geführt. Sowas aber auch. Anyway: feiert schön und startet gut!

Und weil das neue Jahr ja immer mit guten Vorsätzen beginnen muss und hier Beschwerden eingingen, dass wir zu selten neue Berichte einstellen, werden wir jetzt versuchen, häufiger mal was zu schreiben (wenigstens solange wir WLAN haben). Das wird wahrscheinlich auf Kosten der Qualität gehen, aber Ihr habt's ja nicht anders gewollt.
Also Thema Jahreswechsel: Moritz findet zwar Crevetten supa, mochte aber den 'Krabbel' nicht so gerne. Wir irgendwie auch nicht. Deshalb gibt's den Rest davon heute in Masala-Curry. Extra scharf und mit alles. Ansonsten haben wir es auch zu zweit geschafft, uns einen kleinen Kater zu basteln. Schuld war ganz klar der Brandy Carlos III. Ansegeln fiel deshalb aus und wir in Maspalomas in den Strand. Wenig spektakulär, aber wir haben Euch gewarnt.

4. Januar und wir haben den Hafenkoller. Zugegeben, Pasito Blanco ist nicht irgendein Hafen - es ist ein Rentnerparadies. Hier ist alles ordentlich und sauber und so ruhig, dass man glaubt, die meisten Bewohner liegen schon tot hinter den Mauern ihrer zauberhaften weißgetünchten Häuser mit den ordentlich geharkten und symmetrisch mit Kakteen und allerlei Palmen bepflanzten Gärtchen. Täglich und nächtlich patroullieren Sicherheitleute mit Funkgeräten durch den gepflegten Hafen, um zu verhindern, dass irgendeine aufregende Sache passiert, die für die letzten noch lebenden Einwohner einen Herzinfarkt bedeuten könnte. Wir haben uns angepasst. Jeden Morgen reinigen wir das Deck, wechseln drei Worte mit unserem hirntoten siebzigjährigen Stegnachbarn und tragen all unsere Streitigkeiten mit gedämpfter Stimme hinter geschlossenen Luken aus. Nach dem Mittagsschläfchen setzen wir uns mit einer Tasse Kaffee in die Sonne und reden nichts, nach dem Abendessen spielen wir Scrabble und reden auch nichts. Nur manchmal diskutieren wir - aber sehr sehr leise - ob Wörter wie "Hundnase" oder "Schwanzhund" gelten. Danach gehen wir ins Bett und schimpfen, weil wir wegen des Schwells, der das Schiff ständig an den Leinen rucken lässt, nicht einschlafen können.

Wie soll es mit uns weitergehen? Wir warten auf unsere Freunde Susi und Achim, die in drei Tagen kommen sollen. Sie werden sich sicher auch schnell hier eingewöhnen ;-) Die haben ein Auto gemietet. Dann endlich können wir das Inselinnere erkunden, was wir uns bis dahin verkneifen mussten, um nicht alles doppelt zu erleben...

Und dann? Dann fahren wir endlich weiter: Mitte Januar nach Teneriffa und dann bis etwa Ende März zu den verbleibenden - und wohl auch schönsten - drei Inselchen La Gomera, EL Hierro und La Palma. Dann geht es zurück nach La Graciosa. Bei den vorherrschenden nordöstlichen Winden haben wir von dort aus einen besseren Winkel für die nächsten Inseln: Bis Mitte/ Ende April wollen wir noch ein paar Wochen auf Madeira verbringen, bevor es endgültig zurück ins Mittelmeer geht. Pünktlich zum Saisonstart Anfang Mai wollen wir dort sein. Es stehen nämlich noch eine ganze Menge attraktiver Ziele auf unserem Plan: Balearen, Sardinien, Äolische Inseln, Sizilien, Peleponnes, Ägäische Inseln und schließlich und endlich die Türkei... Aber mittlerweile wissen wir ja, welche Halbwertszeit solche Planungen haben ;-)

SO! UND JETZT FÄLLT UNS NIX MEHR EIN! So aufregend und spannend ist das eben nicht die ganze Zeit und wir können nicht ständig irgendwo hingondeln, wo's megamäßige Stürme hat oder geile Buchten oder wasauchsonstimmer! Deswegen nutzen wir jetzt auch mal die Gegebenheiten und machen es interaktiv - schließlich haben wir ein Recht, zu erfahren, wer die ca. 20-30 Leute sind, die sich hier täglich einloggen und Ihr habt ein Recht, das zu lesen, was Ihr lesen wollt: IHR DÜRFT UNS FRAGEN SCHICKEN ODER THEMEN WÜNSCHEN, DIE EUCH INTERESSIEREN! Wir antworten auf (fast) alles. Brandheiss und brandaktuell! Per Mail oder ins Gästebuch. Dieses Angebot gilt dauerhaft! Fragen und Antworten gibt es hier [Dank unserem uneingeschränkten Homepage-König Achim 'Delete' Köck, der den Start gemacht hat ;-)]

Zwischenzeitlich sind nun Achim und Susi eingetroffen. Leider haben sie beide 'was am Auge' (siehe Fotos) - wobei es natürlich nicht bleibt... Sie sind aber beide anständig und haben einen sehr guten Charakter! Da kann man nix sagen!

Achim mit Kamera 100106.JPG

Susi hinter Kamera 100106.JPG

Achim und Susi auf der Duene 100106.JPG

Achim

Susi

Achim und Susi (getarnt)

Sowohl auf Gran Canaria als auch auf Teneriffa machen wir - wenn es gerade mal nicht regnet, wunderschöne Wanderungen oder fahren mit dem Auto über die Inseln. Regen gibt es übrigens in den letzten Wochen hier immer wieder satt. In Ausmaßen, die wohl schon auffällig sind. Nichtsdestotrotz gelingt es uns auch ein Stückchen zu segeln bzw. Motorboot zu fahren: Zunächst nach Puerto Mogan, wo wir erst mit ein wenig Trickserei einen Platz bekommen. Bei einem ersten Anruf bekommen wir die Standardaussage 'full' zu hören. Am nächsten Tag probiert es Christiane nochmal mit (Holper-)Spanisch und siehe da: Die Hafenmeisterin lässt sich erweichen. Der Hafen ist wirklich sehr schön, aber wohl permanent überfüllt - wie wir von anderen Seglern hören, hilft eine kleine "Spende" bei der Frage nach einem Liegeplatz wohl weiter...

Weiter geht es nach Santa Cruz auf Teneriffa: Ein Hafen und eine Stadt, die uns sehr gut gefallen haben und wohl einer der wenigen Plätze auf Teneriffa, wo man ohne Schwierigkeiten einen Liegeplatz finden kann. Hier im Süden gibt es eine im Bau befindliche Marina östlich von Las Galletas, aber wir wurden trotz zahlreicher freier Stege nicht gerade höflich zum Verschwinden aufgefordert. In Los Christianos kann man relativ geschützt im Hafen ankern (entgegen der Angaben in unserem Revierführer wird man auch nicht verjagt), aber Puerto Colon meldet 'completo', ebenso die Marina Los Gigantes. Wir sind ein wenig frustriert über die schlechte Liegeplatzsituation Teneriffas, denn gut geschützte Buchten, in denen man alternativ ankern könnte, gibt es kaum, so dass wir uns dauernd Sorgen machen müssen, wo wir die Nacht verbringen.

Susis Selbstausloeserfoto 100106.JPG

Susi und Christiane posieren 100106.JPG

Vor dem Cafe 100106.JPG

Susi, Christiane, Moritz unterwegs 110106.JPG

Selbstauslöser...

Posieren

Pausieren

Susi, Christiane und Moritz unterwegs

Wanderung nach Gui Gui 8 110106.JPG

Teide 2 100106.JPG

Caldera 7 160106.JPG

Caldera 8 160106.JPG

Wanderung nach Güi Güi

Blick auf den Teide

In der Caldera 1

In der Caldera 2

TCM mit Sonnenbrille 160106.JPG

Achim im Loch 160106.JPG

Thorsten und Moritz wandern 160106.JPG

Moritz in der Kraxe 110106.JPG

Brauns mit Sonnenbrille und Teide

Achims Lochsammlung -
hier Nr. 29

Brauns mit Sonnenbrille ohne Christiane ohne Teide

Endlich Pause!

Und hier nun ein erster Erfahrungsbericht von der renommierten und international anerkannten Journalistin Susi Boxberg, von der übrigens auch eine ganze Reihe der hier gezeigten Fotos stammen:

Um sechs Uhr in der Frühe piept Thorstens kleiner runder blauer Wecker. Es ist noch dunkel und ein bisschen frisch. Die übrigen Segelyachten ruhen still auf ihren Plätzen. Und nur in einer einzigen Bar im Hafen von Mogan ist Licht zu sehen, ein Kellner putzt Tische und Stühle, um sie adrett für die zahlreichen Sonntags-Gäste herzurichten. Für uns ist dies der richtige Zeitpunkt, um in See zu stechen. Adios Gran Canaria. In zehn Stunden sind wir auf Teneriffa.
Seit zehn Tagen sind Achim und ich zu Gast bei Christiane, Thorsten und Moritz. Vom kalten, nassen Köln ging es in die warmen Gefilde der Kanarischen Inseln. Doch nicht nur deswegen stand die Vorfreude im Mittelpunkt der dunklen ersten Januarwoche. Nein, in erster Linie freuten wir uns auf unsere Freunde, die wir seit drei Monaten nicht gesehen hatten. Welch schönes  Wiedersehen im kleinen Yachthafen von Pasito Blanco, ganz im Süden Gran Canarias. Schon vom weitem strahlt uns das Orange-gelb der Marie entgegen, von Deck winkt Christiane im orangenen Shirt von unten herauf, Thorsten hat den üblichen passenden frechen Spruch parat und super-hyper-mega-süßer Moritz fängt an zu quietschen: "Grüne Socken" ist das erste, was er mir zu sagen hat und zeigt auf meine Füße. Wie schön, wieder bei ihnen zu sein.
Als gewöhnungsbedürftig stellt sich für uns beide das Leben und die strengen Regeln auf der Marie heraus. Hier wird kein Zentimeter verschenkt. Alles hat seinen festen Platz, Spielraum gibt es nicht. Unsere Koje ähnelt eher einem Sarg als einem Gästezimmer, denn die Decke ist an einer Stelle nur in zwanzig Zentimeter Entfernung, wenn man unter ihr liegt. Unsere Reisetaschen stehen auf einem Quadratmeter unter unserer Matraze, die täglichen Anziehsachen liegen im Bett an die Bordwand gequetscht. Die Eingangstür ist einen halben Meter breit und wackelt gern hin und her, wenn sie nicht richtig geschlossen ist. Doch wie alles im Leben gewöhnt man sich auch an diese Enge. Von oben scheint des Nachts der helle Vollmond durch die Luke hinein, sanft und langsam wiegt sich das Schiff von der einen auf die andere Seite. Das Gleiten vom Wachsein in den seligen Schlaf könnte nicht gemütlicher sein.
Erst langsam lernen wir, die festen Regeln an Bord einzuhalten. Immer wieder müssen uns die beiden ermahnen, nichts stehen zu lassen, beim Spülen darauf zu achten, keine Tropfen auf den Boden fallen zu lassen, die Kochtöpfe nicht mit dem Geschirrtuch abzutrocknen, da das Schwarz vom Spiritusruß die Tücher versaut, kein Getränk auf den Navi zu stellen, keine Straßenschuhe in der Kajüte zu tragen und so fort. Für uns gibt es so viel zu beachten, zu Anfangs keine leichte Übung. Wer lässt sich schon gern was sagen? Achim und ich müssen aber feststellen, dass alle Belehrungen ihre Berechtigung und ihren Sinn haben. Wer ein Jahr über die Meere segeln will, muss gut geplant und alles durchdacht haben. Wir würden es nicht anders machen - und versuchen, möglichst keine Unordnung zu machen.
Was mir indes nicht in die Birne will, ist die Höhe der Kajütendecke. Mindestens einmal pro Tag knalle ich mit dem Schädel ans Holz. Trotz permanter Habachtstellung passiert es immer wieder. Vielleicht, weil es nicht wirklich weh tut, der dumpfe Knall. Wer weiß, wozu er gut ist.
Mittlerweile haben wir Teneriffa erreicht. Achim und mir erging es nicht allzu gut, eine Seekrankheit ist nichts Schönes. Aber auch die geht vorbei. Sie schrumpft zum kleinen Nichts im Gegensatz zur Pracht des Meeres.
Ihr Drei habt eine feine Entscheidung getroffen. Genießt die Zeit, und kommt gesund nach Hause.

Nun sind die beiden wieder weg und wir sitzen wieder alleine auf der nun viel zu großen Marie und sind ein wenig traurig - es wird wohl eine ganze Weile dauern, bis wir sie wiedersehen. Diese Abschiede fallen uns immer wieder sehr schwer - aber das gehört wohl ebenso dazu wie der Fahrtenseglerblues, der uns manchmal überfällt...

Nach einer weiteren Schaukelnacht in Los Christianos streichen bzw. setzen wir die Segel und verschwinden entnervt von der größten Kanareninsel. Unser Ziel: San Sebastian auf La Gomera. Hier startete Kolumbus seine Reisen in die neue Welt. So weit wollen wir nicht. Aber der Hafen und die Stadt sind sehr hübsch, die Leute sehr freundlich und wir sehr happy. Also buchen wir uns direkt mal für drei Wochen ein und überraschen Heidi (Thorstens Mutter), die in zwei Wochen kommt, mit einer kleinen Reiseplanänderung ;-)

Und schon sind es wieder fast zwei Wochen, die wir hier im Hafen liegen. Gomera ist für uns die bisher schönste Kanaren-Insel. Da - wie üblich - das Wetter nicht so richtig mitspielt (es ist häufig grau und für unser Empfinden kühl, was bedeutet, weniger als 20°) - sind es bisher aber nur wenige Ausflüge, die wir mit Bus, Fähre und vor allem zu Fuß, gemacht haben. Es gibt viele wunderschöne Wanderwege auf der ganzen Insel, die durch meist wilde und sehr abwechslungsreiche Landschaft mit ständig wechselnder Vegetation führen. Ein paar Eindrücke davon hier: 

Hafen San Sebastian 280106.JPG

Decollada de Peraza 030206.JPG

Baranco auf Gomera 030206.JPG

Nochmal Teide 1 280106.JPG

Hafen San Sebastian

Baranco...

...und noch einer

Teide schwebt über dem Meer

Vallehermoso 290106.JPG

Terassen und Volkankegel 030206.JPG

Wanderung mit Teide-Blick 030206.JPG

Huette unter Palmen 030206.JPG

Vallehermoso

Vulkanschlot

Immer wieder Teide

Unsere Finca

Uns gefällt es so gut hier, dass wir ein Angebot, das man uns hier im Hafen unterbreitet hat, nicht ablehnen konnten. Dazu muss man wissen, dass Gomera einen guten Ruf und eine alte Tradition als Aussteiger- und Hippieinsel hat. Dementsprechend konnten wir einfach nicht 'Nein' sagen, als uns einer dieser Aussteiger ein Stück Land in der sogenannten 'Schweinebucht' auf der Westseite angeboten hat. Mit einer kleinen Finca drauf (siehe letztes Foto) und einer kleinen Bananen- und Haschischplantage auf dem fruchtbaren Boden direkt dahinter. Hier werden wir ab sofort nackig herumlaufen und Bob-Marley-Zigaretten an die Touristen verticken. Für dieses schöne neue Leben mussten wir natürlich auch eine Gegenleistung erbringen, und so ist unsere gute 'Marie' nun doch mit Ihren neuen Besitzern auf dem Weg in die Karibik... ;-)

ALSO GUT! WAR NUR EIN GAG! Mariechen wird natürlich, wie geplant, mit uns zurück ins Mittelmeer fahren...

Nun sind wir dabei, uns den Gepflogenheiten der Einheimischen anzupassen, damit wir nicht so sehr auffallen. Thorsten hängt deshalb jetzt jeden Abend mit den Männern vom Ort am öffentlichen Platz rum und spricht ab und zu mal ein Wort, während Christiane die neue kanarische Frauensportart für sich entdeckt hat: Weiblicher Plauderlauf, englisch 'extreme fast-slow twalking' - schnell sprechen und langsam walken. Führende Sportwissenschaftler sehen darin eine Adaption des im nördlichen Europa verbreiteten 'Nordic Walking', ziehen sich doch die Frauen auch für diese kanarische Variante Laufschuhe und Sportklamotten an. Im Gegensatz zur nördlichen Sportart werden jedoch statt Walkingstöcken gerne Handtaschen getragen. Die besondere Herausforderung besteht jedoch darin, sich zum einen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit zu unterhalten, zum anderen sich auf keinen Fall von der Redegeschwindigkeit anstecken zu lassen und ein sehr gemäßigtes Gehtempo beizubehalten. Unser Sohn ist natürlich auch in der Anpassungsphase. Für ihn kaufen wir jede Menge Chips und Süßigkeiten, damit er erstens Ruhe gibt und sich zweitens schnell dem Durchschnittsgewicht seiner Altersklassse anpassen kann - und das ist hier eine ganz schöne Menge...

Außerdem haben wir ja, pünktlich zu Moritz Geburtstag am 9. Februar, Besuch von seiner Oma (die aber nicht so genannt wird) Heidi. Mit ihr wollten wir eigentlich die schöne Insel erfahren und erwandern. Haben wir auch ansatzweise gemacht, dann aber kam uns wieder mal schlechtes Wetter in die Quere. Einmal mehr Unwetterwarnungen für die kanarischen Inseln - wir haben das Mitzählen schon aufgegeben. Die Zeit kriegen wir aber natürlich trotzdem rum!

Urwald-Treppe 060206.JPG

Rast 060206.JPG

Heidi und Moritz schaukeln 060206.JPG

Wandern im Nationalpark

Rast

Heidi und Moritz schaukeln

Nach den Wünschen zu seinem Geburtstag befragt, antwortete Moritz immer: Bombom, Gummibärchen, Mercedes - in dieser Reihenfolge. Letzteren hat er auch wirklich bekommen und auch sofort als solchen erkannt - Thorstens Arbeitgeber wird das hoffentlich zu schätzen wissen ;-) Die vielen schönen Legos rückten dabei in den Hintergrund. Egal, die waren eh' für uns gedacht. Immer nur Scrabble abends ist ja auch langweilig...

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Zweiter Geburtstag 3 090206.JPG

Zweiter Geburtstag 4 090206.JPG

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Mit freundlicher Unterstützung von Lego

Boah!

Super!

Unsere Abende sind gerettet...

28°05,4'N, 17°06,5'W - das sind die Koordinaten von San Sebastian de Gomera. Gleichzeitig ist das sowohl der südlichste als auch der westlichste Punkt unserer Reise. Insofern sind wir sozusagen irgendwie auf der Rückreise. Und das finden wir - ehrlich gesagt - ganz schön gut. Die Kanaren haben nämlich nicht so ganz gehalten, was wir uns von ihnen versprochen haben. Aber dazu ein anderes Mal mehr... Nach weiteren regnerischen Tagen machen wir uns am 17. Februar gemeinsam mit Adi (der gekommen war, um sich schon ein wenig auf den Frühling einzustimmen - was nicht so ganz hingehauen hat) früh am Morgen auf den Rückweg nach Teneriffa. In der Düse zwischen den Inseln kann Marie uns dann gleich mal wieder beweisen, dass sie ein seetaugliches Schiff ist: Bei bis zu 7 Windstärken segeln wir nach Osten. Genau zwei Stunden lang. Dann läuft der Brummel für die restlichen 15 (!) Stunden. Mühsam arbeiten wir uns gegen Wind und Welle nach Norden - mit 2-3 kn (etwa 5 hm/h). Erst spät abends erreichen wir Sta. Cruz. Hier wollen wir uns den hochgelobten kanarischen Karneval ansehen und natürlich endlich auf den Teide fahren, den wir uns schon so lange aus der Ferne angeschaut haben.

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Marie im Hafen von San Sebastian - wahrscheinlich so gut in Schuss wie nie zuvor -
wird Zeit, dass die auch mal wieder hier auftaucht!

Die wilde Nordwestküste von Teneriffa

Westkueste Teneriffa 190206.JPG

Adi und Moritz am Strand 190206.JPG

Adi erklärt Moritz wie das alles geht

 

 

 

 

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Das Wetter stimmt, der Teide strahlt in seiner Schneemütze - da wollen wir jetzt endlich hoch!

Aber leider lesen wir an der Talstation 'Cerrado' - wegen Eis am Berg. Ausserdem wird eifrig an den Kabinen gebastelt. 77.- Euro gespart - Christiane kann es noch gar nicht fassen...

Christiane wollte hoch 200206.JPG

 

 

 

 

Mondlandschaft am Teide 200206.JPG

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Moritz sammelt Steine 3 200206.JPG

Adi forscht 200206.JPG

Macht nix - machen wir halt einen Ausflug auf den Mond...

...und sammeln gaaanz viele Mondsteine...

...sogar ein paar ganz grosse müssen mit...

...und Adi hilft fleissig dabei...

Santa Cruz (Teneriffa) im Karnevalsfieber: "Bunte Männchen", riesige Federkostüme, Trommeln, Tanzen, Arschwackeln. Franco ist tot, der Karneval lebt wieder und man hat Aufholbedarf, das Vorbild ist Rio. Die ganze Chose geht einhundert Meter Luftlinie entfernt vom Hafen über die Bühne und die Musik beginnt erst um Mitternacht. Wir feiern mit, solange Moritz die Augen offen halten kann, danach liegen wir in unserem Plastikhohlkörper, der mit den Bässen im Takt vibriert. Bis morgens halb sechs.
Jeden Tag zieht ein anderer Karnevalszug durch die Straßen, sogar Vierjährige stecken in aufwändigsten Kostümen - und sind am Ende der Strecke so fertig, dass sie getragen werden müssen. Die Kostüme der Erwachsenen sind ausufernde Federkreationen, die jeden Pfau vor Neid erblassen lassen würden. Die Mädels drunter sind zwar nicht so langbeinig wie in Rio, tragen dafür aber zum Teil mächtige Speckringe ganz ungerührt unterm knappen Kostüm und tanzen, was die Trommeln hergeben. Die Königinnen fahren huldvoll lächelnd im fantasievoll verzierten Wagen hinterher. Das ist alles ganz schön anzusehen, aber irgendwie hatten wir uns das etwas heißer vorgestellt - vielleicht sind wir auch einfach nur zu früh ausgestiegen...

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Carneval 1 240206.JPG

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Moritz verkleidet 250206.JPG

Carneval in Santa Cruz: 'Bunte Männchen' nennt sie Moritz...

...und macht gleich mit

Zwei Tage Karneval, dann verkündet der Wetterbericht ein Fenster mit Westwind, ideal für die 130 Seemeilen bis Lanzarote, was für uns etwa 30 Stunden Fahrt nonstop bedeutet. Wir überlegen hin und her - heute fahren oder morgen? Lieber Flautenmotoren oder Starkwindsegeln? Wir sind entschieden für ersteres. Wer uns kennt, versteht das. Statt West gibt es dann Nord, aber das ist wunderbar: Aus zehn Knoten halbem Wind holt unsere brave Marie fünf Knoten Fahrt heraus. Wir sind begeistert, der Atlantik bretteben. Wie auf Schienen segeln wir unter Vollzeug in die Nacht. Über uns wölbt sich ein fantastischer Sternenhimmel, und Mariechen zieht eine Leuchtspur von grünlich phosphoreszierendem Plankton als Kielwasser hinter sich her. Während der Freiwache liegt Thorsten im Salon und hört Klaviermusik - entspannter könnte das Segeln nicht sein. Wir hatten leider viel zu wenig solcher Segelnächte bisher.
Am frühen Morgen schläft der Wind ein, und wir tuckern noch zwölf Stunden durch die Flaute, bis wir im Hafen anlegen. Noch schnell duschen und eine Pizza, dann gehen wir mit unserem Sohn ins Bett. Es ist 20 Uhr, wir haben ein bisschen Schlaf nachzuholen. Um 21 Uhr kommt der erste Wind mit starkem Regen, und so geht es die ganze Nacht weiter, auch der heutige Tag zeigt sich von seiner rauen Seite. Brecher laufen über die Hafenmole (vier Meter hohe Welle draußen) und zwar nicht nur die Gischtspritzer, sondern auch jede Menge grünliche Wellenunterseite. Egal, wir liegen sicher am Steg und machen es uns gemütlich.

Ruhiger Atlantik 270206.JPG

Handtuch im Wind 280206.JPG

Brecher in Rubicon 1 280206.JPG

Es regnet mal wieder 280206.JPG

Atlantik mal bretteben

Tags drauf flattern Handtücher im Wind...

... Brecher kommen über die Mole

...und es regnet mal wieder - viele Grüße Herr Köck ;-)

Gemütlich bleibt's: Nachdem der Wind weg ist bleibt Ostseesommerwetter - grau und kalt, gestern haben wir sogar den Heizlüfter wieder aus den Tiefen der Backskiste geholt. Und wir verkriechen uns unter Deck und finden es nur ein bißchen schlimm. Im Moment können wir eh nicht los, weil die Wasserpumpe noch ausgebaut ist und überarbeitet werden will und das Gross gerade ein zusätzliches Reff bekommt. Alltag auf der Marie...

 

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Moritz spielt im Salon

 

 

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