08/06 -

Mittelmeer - Türkei

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Did it! - 15. August 2006
Schon wieder sind wir gesegelt - die gesamte Strecke! Das wird ja wohl jetzt zum Ende nicht auch noch zur Regel werden wollen? Normalerweise schauen wir mit Neid auf die Yachten, die mit raumem Wind (also schräg von hinten) durch die Wellen wackeln, während wir uns mühsam gegen Wind und See schaukeln. Gestern waren wir mal die Beneidenswerten - ein ordentliches Lüftchen hat uns fix von Griechenland in die Türkei getragen. Und damit übrigens auch, wenn man es genau nimmt - und das machen wir jetzt einfach mal - von Europa nach Asien. Immerhin der dritte Kontinent, den wir besegeln, denn den wunderbaren Aufenthalt in Marokko wollen und können wir nicht vergessen ;-) Raus aus Europa bedeutet natürlich auch rein in die Formalitäten. Wir haben vor dem Einlaufen in die D-Marina von Turgutreis das erste Mal die gelbe Flagge gehisst, um zu signalisieren, dass wir noch nicht einklariert haben. Diese - zum Glück durch die Marina super organisierte - Prozedur benötigte eineinhalb Stunden und führte zu folgenden Stationen: Marina-Office für das Transitlog; Arzt für die Bescheinigung, dass alle an Bord gesund sind (Thorsten war alleine dort und sehr entäuscht, dass man ihm nicht einmal in den Rachen geschaut hat); Passport Control für die Passport Control; Customs; Harbour Master und nochmal Customs. Jeder machte auf ein paar Seiten Stempel und Unterschriften. Die gestatten uns jetzt, uns frei zu bewegen. Machen wir doch glatt. Zum Beispiel zu dem Swimmingpool auf dem Marinagelände. Oder ins Internetcafé auf dem Marinagelände. Oder zu dem Supermarkt vor dem Marinagelände. Und natürlich auch ins Örtchen und auf den Markt und so, wir sind ja schließlich keine Banausen. Vor allem aber müssen wir uns jetzt sehr dringend um einen Landliegeplatz für unsere gute Marie kümmern, denn davon hängt die weitere Törnplanung ab. In einem Monat geht unser Flug und es gibt vorher noch reichlich zu organisieren... Irgendwie gagga, ne?! Fast noch ein ganzer Jahresurlaub liegt vor uns und wir fangen an, nervös zu werden, wegen ein paar Klamotten, die nachhause geschickt werden müssen und einem Schiffchen, das eigentlich in einem guten Zustand ist und nur auf einen Bock an Land gestellt werden muss... tststs! Da müssen wir wohl noch ein paar Yogaübungen machen! Bilder dann wie üblich hier, oder auch nicht. Güle Güle!

Vatti flickt das Segel 130806.JPG

Minarett 150806.JPG

Keine Yogaübung, hat aber trotzdem was mit Entspannung
zu tun: Vatti flickt das Segel, Moritz sagt ihm, wie das geht

Auf diesem Bild ist ein Minarett versteckt ;-) Unsere Nacht war kurz nach fünf beendet - da müssen wir uns erst noch dran gewöhnen

Gökova Körfezi - 21. August 2006
Gökova Körfezi ist nix zu essen - aber trotzdem sehr lecker! Es handelt sich um den Golf von Gökova, den wir gerade durchsegeln. Viele behaupten, dass dies nicht nur das schönste Revier der Türkei sei, sondern auch eines der schönsten überhaupt... Die Nordseite des Golfes wird Richtung Osten immer grüner und vor allem immer höher - am Ende steigen die Berge bis auf fast 1000 Meter an. Die Südseite ist flacher und häufig bis hinunter an die fast lagunenartigen Buchten bewaldet. Hinzu kommt klares Wasser und vor allem herzlich freundliche Menschen. Von Turgutreis war es nur ein kurzer Trip nach Bodrum, einem der touristischen Zentren. So war denn die Marina pefekt organisiert - super Service, WLAN für umme und - Christianes Favorit - klimatisierte Duschen. Das lässt man sich dann aber auch bezahlen - die Nacht kostete uns 26.-, was wir für diese Leistungen aber ok finden. Außerdem kostete uns die Nacht auch ziemlich viele Nerven, weil die Restaurants am Hafen einen Live-Musik-Wettbewerb veranstalteten: So kamen wir mit dem linken Ohr in den Genuß von gut gesungenen Klassikern wie "Singing in the rain", während von der anderen Seite, auch schön gemachte, türkische Folklore zu hören war. Nacheinander wäre aber irgendwie schöner gewesen... Im Nachhinein erfahren wir, dass Bodrum für seine nächtlichen Lärmexzesse, unter denen Touris ebenso wie Einheimische leiden, bekannt ist.
Reichlich Wind und ebenso reichlich Welle begleiteten uns auf dem Weg nach Cökertme und weiter nach Akbük Liman. In dieser riesigen Bucht, umgeben von gewaltigen Bergmassiven, hatten wir zwei Tage lang eine kleine Ausbuchtung mit Strand ganz für uns alleine. Nur ein paar türkische Familien machen hier Urlaub, campen und grillen am Strand und freuen sich an dem kristallklaren Wasser. Ein paar Meilen weiter und ein paar Jahre vorher haben das auch zwei Berühmtheiten getan: Angeblich haben sich Mark Antonius und Kleopatra auf der Kleopatra Insel während ihrer Flitterwochen vergnügt. Als Kavalier hatte er natürlich erstmal ordentlich Sand aus der Sahara an den Strand bringen lassen - das waren doch mal noch Gesten! Zu einem Landaussflug konnten wir uns dennoch nicht aufraffen, aber immerhin sind wir einmal außenrum
gesegelt motort. Und dann gleich weiter nach Sögüt Liman, denn unsere Vorräte und Wasser gingen langsam zur Neige. Außerdem ist der Platz sehr reizvoll: Ein wakeliger Holzsteg, ein Restaurant und ein kleiner Markt dazu, fertig ist eine Marina. Mit den schönen grünen Hügeln auf allen Seiten könnte es auch ein kleiner See in im Pfälzer Wald sein...
Leider können wir das alles nicht so geniessen - anscheinend war ein Joghurt mit irgendetwas verseucht - uns so schwankten wir abwechselnd den Steg entlang Richtung sanitäre Anlagen. Zum Glück ist Moritz verschont geblieben!

Bodrum 160806.JPG

Wellen von hinten 170806.JPG

Sonnenuntergang Gegenlicht 170806.JPG

Sehir Adalasi 2 200806.JPG

Bodrums Kreuzritterburg

Wellen kann man leider nicht fotografieren - hier ein weiterer Beweis

Sonnenuntergang am
Ankerplatz

Kleopatras Insel

Wir sinken! - 23. August 2006
Hilfe, wir sinken! Mariechen natürlich nicht, die hat ja Charakter und Stil. Nein, ihre Crew sinkt. Und zwar in ungeahnte Tiefen, was das Niveau betrifft. Bilder sagen ja bekanntlich mehr als Worte:

Mutti liest Bild 230806.JPG

Vatti mit Bildzeitung 230806.JPG

Vatti mit Raetselheftchen 230806.JPG

Christiane und Moritz mit Raetseln 230806.JPG

Mutti liest Bild schon zum Frühstück

Vatti freut sich über die Nackschen

und wechselt direkt zum Rätselheftchen

Die Ergebnisse werden vom Kommitee diskutiert

(Zu unserer Ehrenrettung: Selbstverständlich haben wir auch die verzwickten Rätsel in der 'Zeit' gelöst...)

Das Ende naht... - 26. August 2006
...in Riesenschritten. Und wir machen immer langsamer. Im Schnitt kommen wir zur Zeit auf eine Seemeile am Tag. Völlig ausreichend nach der vielen Fahrerei der letzten Monate. Von Sögüt Liman sind wir vor ein paar Tagen ein paar Meilen weiter nach Westen gefahren. Nach Degirmen Bükü und da in die English Bay. Gestern waren wir schon wieder unterwegs: Vom Ankerplatz zu einem kleinen Anleger mit Restaurant - das hat eine geschlagene Viertelstunde gedauert! Heute fahren wir zurück auf den Ankerplatz. Wir haben beschlossen, das auch weiter so zu machen und nicht einmal mehr den Gökova Golf zu verlassen, um zum Beispiel noch in den Hisarönü Golf zu fahren. Warum sollten wir das tun? Hier ist es wunderschön. Die Buchten hier gehören zu den schönsten Plätzen, an denen wir bisher waren. Rundherum geschützt, mit viel Wald bis an die Ufer - fast wie auf einem See. Man kann in diesen tiefen Einschnitten einen ganzen Urlaub auf wechselnden Ankerplätzen verbringen und am Ende nicht mehr als 20 sm auf dem Zähler haben. Die Einsamkeit teilen wir uns mit ein paar Gulets (das sind die traditionellen türkischen Schffe, auf denen man die berühmte 'Blaue Reise' entlang der türkischen Ägäisküste machen kann). Die nächste Bucht wäre bestimmt genau so schön. Aber auch nicht mehr und auch nicht weniger. Wir geniessen stattdessen die schöne Landschaft, den Müßiggang und vor allem die türkische Gastfreundschaft. Mehr braucht es nicht mehr ;-)

 Gulets vor Anker 230806.JPG

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Degirmen Bükü 250806.JPG 

 Gulets vor Anker

Unsere Route in den letzten Tagen

Degirmen Bükü

Einmal Marmaris und zurück - 29. August 2006
Von Degirmen Bükü sind wir wieder zurück nach Sögüt Liman gefahren, denn von hier gibt eine Kleinbus-Verbindung nach Marmaris. Wir hatten ein paar wichtige Dinge zu erledigen, zum Beispiel Windeln kaufen, ein gelbes Auto für Moritz besorgen (das wünscht er sich schon ewig), Frisörbesuch für die zwei Alten, ein paar kleine Ersatzteile suchen. Außerdem ist unsere Garderobe für die Hochzeit von Stephan und Jana noch nicht vollständig und vom Flughafen aus wird es direkt da hin gehen. Also war am Montag früh aufstehen angesagt, denn der Dolmus fährt schon um halb acht. Das Meiste konnten wir erledigen und mittags waren wir wieder zurück in der Pampa. Erst hier haben wir von den Bombenanschlägen in Marmaris und Antalya erfahren. In der Stadt selbst war absolut nichts davon zu merken - das Leben schien dort ganz normal zu laufen. Was uns eher besorgt als beruhigt, anscheinend wird versucht, die Gefahr kleinzuspielen, um die Touristen nicht zu irritieren. Uns vergeht damit die Lust nochmal mehr, zumal wir die letzte Woche komplett in Bodrum verbringen wollten, um Marie und uns auf das Landleben vorzubereiten. Bodrum allerdings ist eine Touristenhochburg und damit möglicherweise auch ein attraktives Ziel für Anschläge. Insofern wollen wir jetzt versuchen, den Aufenthalt dort so kurz wie möglich zu machen und uns bis dahin weiter in Buchten und an kleinen Anlegern aufzuhalten, wo es absolut sicher ist. Der Spaßfaktor allerdings leidet erheblich.

Idylle in der Bucht 260806.JPG

Kleiner Bauernhof 260806.JPG

Idylle in der Bucht

Kleiner Bauernhof

Turgutreis die Zweite - 2. September 2006
Bordum war also aus dem Rennen, wir wollten aber dennoch wieder in einen Hafen, um Vorbereitungen zu treffen. Da kam uns Turgutreis wieder in den Sinn. Bei Bodrum ums Eck, gut bewacht, mit einem nicht zu großen Ort und allen sonstigen Facilities wie Internet, Swimmingpool etc. Also nix wie hin. Aber Rasmus war wohl wegen unserer abnehmenden Spendenbereitschaft stinkig und sorgte für eine Menge Wind. Sechs bis sieben, stellenweise acht Windstärken waren angesagt. Nach zwei Tagen Zwangspause am Steg in Cökertme versprach
Windfinder für den kommenden Tag abnehmende Winde. Früh um sieben legten wir ab und machten uns auf den Weg nach Westen. Die ersten giftigen Böen hielten wir noch für Ausreißer, aber sie kamen dann mit schöner Regelmäßigkeit die Berge hinuntergepfiffen - mit bis zu 32 kn, meist aber so um die 25 kn. Dazu Gischt und brechende Wellen an Deck - das gab es schon lange nicht mehr... Unterwegs gab es zwar eine ganze Reihe von Ankermöglichkeiten, aber wir wollten es probieren, wohlwissend, dass wir die letzten paar Meilen direkt gegenan müssen. So war das dann auch: Sehr mühsam stampfte Marie mit weniger als zwei Knoten durch die Wellen - manchmal hatte es den Anschein, dass wir uns nicht von der Stelle bewegen. Aber sie bewegt sich doch und wir können jetzt ein wenig Urlaub in Turgutreis machen. Am 12. September haben wir einen Krantermin in einer Werft bei Bodrum - bei Yatlift bekamen wir das mit Abstand günstigste Angebot für einen Landliegeplatz. Wer auch auf der Suche nach einem Liegeplatz etc. ist, findet auf den Seiten vom Insider dazu und zu dem ganzen Revier super aufbereitete Informationen.

Montag! - 4. September 2006
Vollgas in die neue Woche starten - das war der Plan - die To Do-Liste ist schließlich lang und die Zeit wird langsam knapp. Erste Prio: Schweres und unhandliches Gepäck nachhause schicken. Die Internet-Recherche war nicht sonderlich ergiebig, was Preise angeht und in Turgutreis gibt es keine Büros der großen Anbieter. Voller Optimismus mietete Thorsten daher ein Auto, um Verpackungsmaterial und weitere Infos von einem großen deutschen Logistik-Anbieter in Bodrum zu besorgen und gepackte Kisten auch wieder dorthin zu kutschieren. Freundliche Mitarbeitrerinnen versorgten ihn mit Kisten und einer Preisliste. Geschätzte 20 kg Bücher, Klamotten etc. würden demnach schlappe 280.- kosten - Euro wohlgemerkt, nicht türkische Lira. Damit wären unsere gebrauchten Bücher danach das Doppelte wert. Auch weitere Nachfragen bei anderen international operierenden Anbietern führten zu ähnlichen Ergebnissen - unter 9.- Euro pro Kilo ist nichts zu machen... Übergepäck am Flughafen kostet aber nur 7.- Euro pro Kilo, was die Rechnung sehr einfach macht. Wir werden unseren Kram sehr streng sortieren, olle Kamellen und geliebte T-Shirts undsoweiter aussortieren. Da wir schon einmal ein Auto hatten und außerdem einen sehr auf Autos fixierten Sohn haben, war die weitere Tagesplanung einfach: FAHREN! Viel. Weit. Schnell. Und zwischendurch Pause am Strand mit Junkfood machen. Eh voilá - monsieur ist trés glücklisch:

 

Moritz im Schlaraffenland 040906.JPG

 

 

Moritz im Schlaraffenland

 

Und wir sind um ein paar tolle Eindrücke von der Türkei reicher. Übrigens - für diejenigen, die uns beneiden - auch hier geht der Sommer zuende, die Temperaturen sind merklich gesunken, das Licht ist weicher geworden und so langsam beginnen wir heiße Duschen wieder zu schätzen. Wahrscheinlich eine ganz gute Vorbereitung auf zuhause...

Drei - 8. September 2006
Was aufregend begann, geht geruhsam zuende. Noch drei Tage bleiben uns. Die letzte Zeit haben wir schon mit Vorbereitungen verbracht: ein paar kleinere Schönheitsreparaturen hier und da, das Deck poliert, viel Kram sortiert und weggestaut. Auch die Taschen haben wir schonmal gepackt, um Übersicht zu gewinnen. Aber selbst nach kritischem Aussortieren mussten wir noch eine weitere Reisetasche anschaffen - ingesamt werden wir so auf etwa zehn Gepäckstücke kommen. Einen 80-Liter Rucksack haben wir nur mit Büchern gefüllt, einen weiteren (aber kleineren) nur mit Spielsachen. Bei der Gepäckaufgabe werden wir wahrscheinlich ziemlich Freude erzeugen, nicht zuletzt wegen der mindestens 30 kg Übergepäck. Ob der Kapitän uns dafür wenigstens mit Handschlag begrüßt? Irgendwie sind wir außerdem ja auch Kollegen... Die Vormittage kriegen wir mit derlei Arbeiten locker rum, die Nachmittage sind für Pool und Internet undsoweiter reserviert. Nachdem wir uns dabei bisher vor allem für Wetterberichte und Revierinformationen begeistern konnten, haben sich auch hier die Interessen verschoben und wir sichten schon eifrig den Wohnungsmarkt. Wer eine Wohnung oder ein Haus in Maikammer weiß, darf sich gerne bei uns melden. Am Sonntag werden wir zurück nach Bodrum fahren und die letzten Arbeiten erledigen. Die letzten zwei Tage bis zu unserer Abreise verbringen wir dann in einem netten kleinen Hotel in der Nähe von Izmir. Da werden wir das erste Mal seit fast einem Jahr in einem richtigen Bett schlafen! Und wahrscheinlich das immerwährende, sanfte Schaukeln unserer Marie vermissen. Vorfreude mischt sich mit Wehmut...

Zwei - 9. September 2006
Ein ganz normaler Samstag auf der Marie. Wenn wir uns nicht vorgenommen hätten, den Countdown zu zählen, würde hier heute nichts stehen. So aber berichten wir über einen ganz normalen Samstag: Wir waren einkaufen, wir haben geputzt, wir haben unseren Sohn unterhalten, ein wenig gelesen, ein paar Sudokus gelöst. Das war's. Also kaum anders als die samstäglichen Standardaktivitäten zuhause. Mit dem Unterschied vielleicht, dass wir hier vom Muezzin geweckt wurden (um fünf Uhr) und dass die Temperaturen ein wenig höher sind. Unser Auto haben wir auch nicht gewaschen und die Straße auch nicht gekehrt. Das soll sich bald ändern... Alltag also. Wer uns richtig auf die (dann leider nicht mehr vorhandene) Palme bringen will, kann uns später fragen, wie es im Urlaub war - wir sind nicht im Urlaub - wir verbringen nur unseren Alltag woanders... Und natürlich kriegen wir kein Geld für die Arbeit, die wir machen. Obwohl wir es natürlich verdient hätten ;-)

Eins - 10. September 2006
Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehn... Wollte er auf jeden Fall - ging aber nicht, denn es war kein Wind. Motorbootfahren können wir ja nun wirklich mittlerweile, also brachten wir Marie auf diese bewährte Art die letzten paar Meilen nach Bodrum. Manche Dinge und manche Handgriffe machen wir nun zum letzten Mal, das ist jedesmal ein komisches Gefühl. Morgen ist dann Großkampftag angesagt: Alles muss ausgeräumt und geputzt, Lebensmittel und sonstiger Kram an andere Segler verschenkt werden. Und wir sind sehr gespannt, wie wir unser ganzes Gepäck in einem Kleinwagen unterbringen werden. Moritz bringen diese ganzen Vorbereitungen anscheinend etwas aus dem Tritt, was er uns mit unentwegtem Gequengel spüren lässt. Na Wummbaba...

 

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Abschied von Turgutreis

 

Null - 11. September 2006 (uups - komischer Zufall...)
Unser kleiner Psychoterrorist musste also mal dringend sehr früh ins Bettchen. Um ihn milde zu stimmen, kochte ihm sein Papa sein Lieblingsessen: Penne mit einer Sugo aus frischen Tomaten. Was ein weiteres 'letztes Mal' bedeutete, denn das war sicherlich das meistgekochte Essen während dieses Jahres. Und auch die erschöpften Eltern wollten sich eine ausgiebige Nachtruhe gönnen. Was zunächst auch ganz gut funktionierte. Das endete jäh ab 23 Uhr, als plötzlich eine Band aufspielte. Der Lautstärke nach zu urteilen, hatte sie sich in unserer unmittelbaren Nähe postiert, höchtswahrscheinlich sogar in unserem Cockpit. Sie waren nicht alleine gekommen, sondern hatten Kollegen für die Pausen mitgebracht. Auf jeden Fall kam uns das so vor. Alle zusammen nahmen uns mit auf eine weite Reise zwischen Orient und Okzident und durch mindestens vierzig Jahre Musikgeschichte. Von den Rolling Stones über Robbin Gibb zu Robbie Williams und zurück. Das alles war uns nicht unbekannt, schon bei unserem letzten Aufenthalt in Bodrum waren wir in der gleichen Manier beschallt worden. Aber die Qualität war diesmal merklich anders. Anscheinend hatte sich die Band ihrem überwiegend britischen Publikum angepasst und eifrig mitgetrunken. Die Texte wurden immer mehr genuschelt und bei den Tönen nahm man's auch nicht mehr so genau. Einigen Gästen dürfte es die Zehennägel aufgerollt haben (wenn das nicht eh der Normalzustand war). In den Pausen waren türkische Weisen zu hören. Um zwei Uhr war die ganze Mannschaft der
Marie hellwach. Inklusive Moritz. Da trennten uns noch drei Stunden vom Weckruf des Muezzins. Kinnscht 'Feier' kreische... (für Nicht-Pfälzer: Da könnte man 'Feuer' rufen).
Nachmittags um drei war dann die Schlacht geschlagen und unsere To-Do-Liste abgearbeitet. Die gute Marie ist nicht nur sauber, sondern rein! Wie in solchen Fällen üblich, finden die restlichen Kämpfe im Kopf statt: Haben wir alles mitgenommen? Lagert irgendwo noch eine Packung Eier, deren Haltbarkeit unter einem Jahr liegt? Ist der Herd noch an? Brennt das Bügeleisen noch? - und dergleichen mehr...

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Taschen auf der Marie 110906.JPG

Nicht nur sauber, sondern rein!

Das muss alles mit!

Abschied von Marie - 12. September 2006
Nun ist es soweit - unsere Zeit mit Marie ist zuende. Eigentlich Zeit für eine Bilanz. Dafür aber ist es zu früh - wir werden sie nachreichen, wenn wir zuhause sind. Es ist ein wenig wie der Jahreswechsel - etwas Altes geht zuende, etwas Neues steht vor der Tür. Wir sind nicht richtig traurig, aber wir blicken zurück und sind ein wenig (aber nur ein wenig) wehmütig. Vor allem aber freuen wir uns auf das, was vor uns liegt. Wider Erwarten passten all unsere Klamotten locker ins Auto, was aber auch daran lag, dass wir Glück hatten und die nächsthöhere Kategorie bekommen haben... Nach einer - wie zu erwarten war - unruhigen Nacht (diesmal mit sehr schöner und sehr schön lauter kubanischer Live-Musik) fuhr Thorsten das Schiff zur Werft, Christiane und Moritz nahmen den Landweg mit dem Auto. Eine lange Liste war abzuarbeiten, um alles auf die Liegezeit vorzubereiten. Gespannt waren wir natürlich auch auf das Unterwasserschiff, insbesondere ob sich dort verräterische Bläschen zeigen würden. Dem war aber nicht so - wir hatten mit dem mühsamen Neuaufbau der Schichten wohl eine gute Arbeit gemacht. Außerdem - die Türkei gehört ja (noch) nicht zur EU - mussten wir beim Zoll ausklarieren. Das war's dann. Von unserem 'richtigen' Bett im Hotel trennten uns dann noch zwei Stunden Autofahrt. Aber - womit wir nun so gar nicht gerechnet hatten - Moritz wollte nicht in ein richtiges Bett. Zwar war er total erschöpft, forderte aber vehement, zurück aufs Schiff gebracht zu werden: "Ich will zurück zur Marie! Wo ist die Marie jetzt? Hat der Kran die Marie rausgehoben?". Eigentlich logisch - schließlich war das für fast sein halbes Leben sein Zuhause... Für ihn wird die Umstellung vielleicht schwerer als für uns. Aber die Aussichten auf Familie und Freunde zuhause, den Kindergarten, Dreiradfahren usw. locken ihn auch sehr.
Am Freitag landen wir wieder in Deutschland, fahren direkt zur Hochzeit von Stephan und Jana und Mitte nächster Woche sind wir wieder in der Pfalz.

Moritz und Marie am Kran 1 120906.JPG

Maries Stellplatz 120906.JPG

Marie for sale 120906.JPG

Moritz im richtigen Bettchen 120906.JPG

Marie am Kran

und an ihrem Stellplatz

For sale

Moritz im richtigen Bettchen

Abspann - 3. Oktober 2006
Heute vor einem Jahr sind wir gestartet. Mit vielen Tränen und viel Vorfreude, aufgeregt und gespannt auf die lange Zeit, die vor uns lag. Wie kurz so ein Jahr doch ist... Nach drei Wochen Zuhause kommen wir nun auch langsam an. Alles ist zwar irgendwie vertraut aber dennoch ungewohnt. Wir haben ein hübsches Häuschen in der Pfalz gemietet, bis Mitte Oktober wird der Umzug vollzogen sein und wir werden wieder ins Arbeitsleben starten. Dann sind wir wieder richtig seßhaft und freuen uns sehr darauf. Marie ist noch nicht verkauft und es geht ihr hoffentlich gut in Bodrum. Wehmütig zurückgeblickt haben wir bisher noch nicht. Das Ende kam genau zur rechten Zeit, die letzten Wochen auf dem Schiff wurden uns fast ein wenig lang. Neben einer allgemeinen Reisemüdigkeit war dafür vor allem Christiane verantwortlich. Es hat sich nämlich ein zusätzliches Crewmitglied zu uns gesellt, das zwar noch seeehr klein ist, aber in den nächsten Monaten wohl noch reichlich wachsen wird, ehe es im nächsten März zur Welt kommt. Die damit verbundene Übelkeit hat Christiane komplett ausgeschaltet - sie konnte die letzten sechs Wochen nur noch, unter Hitze und Gerüchen leidend, in der Koje liegend verbringen. Womit Thorsten zum Einhandsegler wurde und die Stimmung an Bord insgesamt eher gedämpft war.

In diesem Jahr sind wir fast 6500 Seemeilen gesegelt (bzw. wahrscheinlich eine Menge davon motort) und haben eine ganze Menge dabei gelernt - über das Segeln, über das Leben unterwegs und über uns. Wir sind froh, dass wir das ohne Ehrgeiz und falsche Erwartungen getan haben und so immer unsere Pläne unseren Bedürfnissen anpassen konnten. Es ist wunderbar, dass wir uns diesen Traum schon heute erfüllen konnten und wir sind sehr dankbar dafür. Die vielen Erlebnisse und Erfahrungen werden uns sicher noch lange begleiten. Dennoch würden wir es nicht wieder machen - wir finden Segeln nach wie vor toll, aber wir taugen nicht als Langfahrtsegler. Dazu mögen wir das Leben an Bord nicht genug - am Ende waren wir ja bekanntlich sehr satt, ausgelöst einerseits durch das ständige Unterwegssein, vor allem aber die vielen ermüdenden Gedanken an Sicherheit, Wetter, Schiff, Versorgungsmöglichkeiten und so weiter.

Vor dem Start mussten wir uns oft anhören, wie gefährlich Segeln doch sei. In der Regel natürlich von Nichtseglern. Alles ausgemachter Kokolores: Segeln, so wie wir es betreiben, halten wir für weniger gefährlich, als an Land zu leben. Auf unserer Reise gab es zwar manchmal schwer zu kalkulierende und damit potentiell gefährliche Situationen, aber die betrafen nur die 'großen' Überfahrten. Ansonsten waren wir nie in Gefahr. Nie. Das liegt an Zweierlei: Erstens sind wir Angsthasen und zweitens haben wir uns immer gut vorbereitet. Die größten Risiken sind aus unserer Sicht das Wetter und Navigationsfehler. Uns ist es gelungen, innerhalb dieses Jahres nie auf einen Sturm zu treffen - von dem tropischen Sturm auf den Kanaren, den wir in einem Hafen überstanden, einmal abgesehen. Windstärke sieben haben wir nur in Böen erlebt, Windstärke sechs nie sehr lange (außerdem ist die segelbar). Meistens hatten wir Wind zwischen drei und fünf Windstärken. Das liegt daran, dass wir immer sehr sorgfältig das Wetter beobachtet haben und bei unklaren Situationen im Hafen geblieben sind. Auch die Navigation haben wir sehr riskoarm betrieben. Das war's. Die sonstigen Gefahren an Bord sind die gleichen wie Zuhause. Moritz' schlimmster Unfall war ein Sturz durchs Vorluk (der zum Glück glimpflich ausging, aber auch anders hätte enden können). Das wäre an Land halt eine Treppe gewesen... Ein wenig gefährdet fühlten wir uns am Ende in der Türkei aufgrund der Bombenattentate. Wir haben unsere Schlüsse daraus gezogen und die Touristenstädte gemieden. Dehääm sterwen die Leit...

Und Moritz? Wir können mangels Möglichkeiten schwer beurteilen, wie Moritz sich im Vergleich zu seiner Altersgruppe entwickelt hat. Wir glauben aber, dass seine motorischen Fähigkeiten durch die Bewegung auf dem schwankenden Schiff ziemlich ausgeprägt sind. Außerdem sind seine sprachlichen Fähigkeiten (manchmal seeeehr zu unserem Leidwesen) wohl auch sehr gut entwickelt. Darüber hinaus ist er ein sehr fröhliches und umgängliches Kind, das - trotz häufig fehlender Gelegenheiten - sehr aufgeschlossen und offen auf andere Kinder zugeht. Neuen Situationen begegnet er mit viel Respekt - vielleicht auch eine Folge der Situation an Bord, wo wir ihn sehr auf sicherheitsbewußtes Verhalten gedrängt haben. Zwar wird er von der ganzen Reise wahrscheinlich kaum etwas in Erinnerung behalten, aber wir hoffen, dass ihm unterbewußt ein paar schöne und wichtige Eindrücke bleiben. Es war für ihn bestimmt auch eine gute Erfahrung, ein Jahr ständig mit Mama und Papa unterwegs zu sein. Von all dem einmal abgesehen, wird es allerhöchste Zeit, dass er in den Kindergarten kommt. Nicht nur, um mit anderen Kindern zusammenzusein, sondern auch, um sich mit ihnen zu messen und vielleicht das eine oder andere Mal in die Schranken gewiesen zu werden. Mit einem Einzelkind in seinem Alter länger unterwegs zu sein, könnten wir uns auch aus diesem Grund nicht vorstellen, insofern paßt das Timing genau.

Ohne die moralische und tatkräftige Unterstützung anderer hätten wir das alles nicht realisieren können. Wir danken unseren Familien und Freunden, die uns diese Unterstützung gegeben haben! Und natürlich auch unseren Chefs und Kolleginnen und Kollegen, die uns ebenfalls ermutigt haben und unsere Arbeit weitergemacht haben! Und nicht zuletzt danken wir unseren Leserinnen und Lesern, die uns begleitet haben!

DANKEMERCIGRACIASOBRIGADOGRACIEEFCHARISTOTESEKÜR!

Einen haben wir noch... - 21. Februar 2007
...einen allerletzten Eintrag.
Überraschend schnell haben wir einen Käufer für Marie gefunden. Noch im alten Jahr wurde der Vertrag unterzeichnet. Am vergangenen Wochenende war die Übergabe. Dazu ist Thorsten mit dem Käuferpaar nach Bodrum geflogen. Reiner und Betty hatten schon mehrere Schiffe und wollten nun unbedingt eine Beryll, um sowohl mit ihren Kindern die Ferien zu verbringen als auch längere Fahrten zu unternehmen. Wir sind froh, dass Marie weiter unterwegs sein wird und wünschen ihnen dafür Mast- und Schotbruch und natürlich immer die Handbreit Sherry (bzw. in diesem Fall eher Marie Brizard) in der Bilge! Für uns endet damit diese Episode in unserem Leben. Das ist kein leichter Abschied, aber auch kein schwerer. Viele Erinnerungen und Erfahrungen hängen an dieser, in jeder Hinsicht, aufregenden Zeit. Nach einigen Monaten kristallisieren sich einige Aspekte besonders heraus. Für uns die wichtigste Erfahrung: 'Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es' (Erich Kästner). Der beste Zeitpunkt, sich solche Träume zu erfüllen ist: Heute! Gründe, es nicht zu tun, gibt es viele, und sie sind alle gut. Man ist zu jung oder zu alt, zu ängstlich, hat gerade einen neuen Job angefangen usw. - mag alles sein. Entscheidend ist doch eigentlich nur, was man irgendwann, wenn die Zeit kommt, bedauern wird, nicht getan zu haben... Und wenn die Umstände nicht zu den Träumen passen und man sie nicht ändern kann, dann kann man zumindest seine Träume ändern. Dann wird eben aus der Luxusyacht ein Folkeboot und aus der Südsee das Mittelmeer... Und wenn wir schon beim Zitieren sind, auch noch den hier, weil es so schön passt: 'Ich bin froh, dass ich es getan habe, zum Teil, weil es die Sache wert war, und hauptsächlich, weil ich es niemals mehr tun muss' (Mark Twain). Es ist sehr entspannend, bestimmte Dinge nicht mehr unbedingt tun zu müssen und das schafft dann ja auch wieder Raum für neue Träume, die verwirklicht werden können ;-) In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser: Macht Euch auf die Socken und lasst uns wissen, wo wir Eure Berichte darüber lesen können!

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Karte Mittelmeer-Ost