Routenplanung

Lange Zeit war uns nicht klar, wie wir unseren lange gehegten Traum, irgendwann einmal eine längere Zeit mit dem Schiff unterwegs zu sein  - am besten einmal rund um die Welt - realisieren könnten. Die zentrale Frage war dabei natürlich, wie wir alles finanzieren könnten - wir besaßen weder ein Schiff noch die finanziellen Mittel, um eine mehrjährige Reise zu unternehmen. Also sparten wir auf's Gratewohl einen Teil unserer Gehälter an. Mit Moritz' Geburt schien zunächst jegliche Realisierbarkeit in weite Ferne zu rücken, doch wurde uns eines Tages klar, dass wir mit einer einjährigen Auszeit eine ganze Reihe von wichtigen Punkten unter einen Hut bringen konnten: Die gemeinsame Betreuung unseres Kindes, Durchführung einer längeren, aber nicht unbegrenzten Reise und folglich die einfachere Finanzierbarkeit.

Dank der staatlichen Regelung zum Thema Elternzeit  würden wir nach dem Ende der Reise sogar an unsere Arbeitsplätze zurückkehren können!

Für einen einjährigen Segeltörn, den man in warmen Gegenden verbringen möchte, bieten sich verschiedene Reviere an. Unsere ersten Überlegungen gingen in Richtung Mittelmeer - mit vielen attraktiven Segelgebieten, reichlich unterschiedlichen Kulturen und Buchten und Häfen für ein ganzes Seglerleben. Nachteil: Im Winter wird es kalt und man kann nicht mehr komfortabel segeln und leben. Außerdem kann man das Segeln im Mittelmeer mit dem Radfahren in Holland vergleichen: Der Wind ist immer zu stark und kommt immer aus der falschen Richtung...

Will man dies vermeiden, bietet sich ein Törn um den Nordatlantik an, zum Beispiel im Oktober zu den Kanaren und im Dezember über den Atlantik in die südliche Karibik. In den folgenden Monaten könnte man nordwärts durch die karibische Inselkette bis Kuba und über die Bahamas segeln, die Bermuda-Inseln und die Azoren besuchen und sich ab Mai auf den Rückweg nach Europa machen, wo man bis zum Herbst noch gemütlich bis in die Ägäis segeln könnte. Das bedeutete konstante Winde und relativ stabile Temperaturen auf der gesamten Reise. Außerdem würde man auf diese Weise tatsächlich im sogenannten "Blauwasser" segeln, mit allen Vor- und Nachteilen, die das impliziert: Ozeanüberquerung und karibische Inseln, aber auch große Distanzen und zum Teil schlechte Versorgung...

Und dann gibt es natürlich noch unzählige andere Alternativen, ein Jahr segelnd zu verbringen...

Lange Zeit hatten wir das Blauwasser bevorzugt - und uns auch entsprechend darauf vorbereitet, indem wir unsere Marie für eine derartige Reise ausrüsteten. Es folgte die Anschaffung der notwendigen Revierführer und Seekarten für die gesamte Reise; gut 100 Karten und ein Dutzend Führer sind so zusammengekommen. Nahezu jeden Tag klingelte der Postbote an unserer Haustür, um wieder ein kiloschweres Ausrüstungspaket schwitzend die Treppe hochzuschleppen. Wahrscheinlich kennen die DHL-, Hermes- und UPS-Zusteller mittlerweile unsere Adresse auswendig.

Selbstverständlich hatten wir auch unsere Zeit- und Finanzplanung an dieser Idee ausgerichtet.

Nach den Erfahrungen während der Umbauphase und den ersten Tagen an Bord während der Überführung ans Mittelmeer lernten wir unsere erste Lektion, und wir nahmen sie postwendend in unsere zukünftige Planung auf. Sie lautet: Niemals zu weit voraus planen, denn die meisten Dinge ergeben sich erst unterwegs und können alle weitere Planung zur Diskussion stellen. Wir haben verstanden, dass nicht alles bis ins letzte Detail planbar ist und Pläne nicht wirklich einhaltbar sind, wenn man nicht von einem dieser Dinge im Übermaß hat: Zeit oder Geld.

Das bedeutet ganz konkret für unsere Planung, dass wir sie nur noch sehr minimalistisch betreiben und im Moment keine Aussagen mehr über die Routenplanung machen - wir wollen nicht bestimmte Ziele zu einer bestimmten Zeit erreichen, sondern wir wollen ein Jahr unterwegs sein! Hoch im Kurs stand dann die Variante: Winter auf den Kanaren, im Frühjahr über Madeira ins Mittelmeer und dort die Route Balearen - Sardinien - Sizilien - Pelepones - nördliches Griechenland - türkische Ägäis...

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